Ein Tag in Stralsund

Das Jahr 1234 gilt als die Geburtsstunde Stralsunds. Das Jahr in dem der Slawenfürst Witzlaw, seinerzeit in Garz auf Rügen residierend, der Stadt das lübische Stadtrecht verlieh. Im Mittelalter hatte dies viele Vorteile, waren damit doch solche Privilegien wie das Erheben eigener Steuern und des freien Handels verbunden. Damit war der Grundstein für den Aufstieg des einstigen Fährdorfes zum mächtigen und reichen Mitglied des Hansebundes gelegt. Schon am Anfang des 13. Jahrhunderts führten wichtige Handelswege nach Skandinavien über Rügen. So entstand neben dem Fischer- und Fährdorf eine Kaufmannssiedlung. Damals einzige Verbindung der Insel mit dem Festland waren die Fähren in Stralow (früherer Name Stralsunds) am Stralesund. Gegenstücke auf Rügen waren Orte, deren Ortsnamen - Altefähr und Grahler Fähr - dies auch heute noch dokumentieren. In den Monaten April bis Oktober besteht bis dato eine Fährverbindung zwischen Stralsund und Altefähr (Fahrplan).

Die Panorama Lodge Altefähr bietet Ihnen den phantastischen Blick auf die Stralsunder Skyline, aber Sie müssen die altehrwürdige Hansestadt natürlich auch unbedingt gesehen haben. Und falls dafür nur ein Tag Zeit sein sollte, folgen Sie mir auf meiner Tour durch das historische und das moderne Stralsund. Sie müssen früh aufstehen, denn alles Sehenswerte in Stralsund ist an einem Tag kaum zu schaffen.

8.00 Uhr. Sie befahren die mit 4100 m längste Brücke Deutschlands. Der Pylon ist rund 128 m hoch. Auf dem Scheitelpunkt der Fahrbahn eröffnet sich Ihnen aus knapp 50 m Höhe rechts das Panorama über den Stralsunder Hafen, links sehen Sie die Schiffbauhalle der Stralsunder Werft. Fahren Sie an der ersten Abfahrt Richtung Hafen. Das Auto kommt ins „Parkhaus am Ozeaneum“. Nehmen Sie das oberste Parkdeck, von hier aus haben Sie einen wunderbaren Rundumblick auf die Altstadt, den Hafen, nach Rügen und die Rügenbrücke. Auf der Hafeninsel laden uns mehrere Cafés zu einem Frühstück ein, Stärkung für den Tag. Zu Fuß geht es danach in Richtung Altstadt. Hinter der Brücke biegen Sie scharf links ab und besichtigen das „Heilgeistkloster“, eine liebevoll restaurierte mittelalterliche Hospitalanlage. Hier wurden Kranke und Hilfsbedürftige aufgenommen und man gewährte ihnen Pflege und eine Unterkunft. Als Kloster im eigentlichen Sinn hat es nie gedient, es war immer in städtischem Besitz. Weiter geht es gegenüber in die Frankenstraße und hier gleich wieder rechts in die Badstüberstraße mit ihren kleinen Häuschen in die Langenstraße. Hier wenden wir uns nach links und gelangen so zum Neuen Markt mit der Marienkirche. Sie gilt als ein Meisterwerk der Spätgotik und war von 1625 bis 1647 das weltweit höchste Gebäude.

10.00 Uhr. Wir verlassen den Neuen Markt in der Mönchstraße und kommen pünktlich zur Öffnungszeit zum Katharinenkloster, wo sich das kulturhistorische Museum und das Meeresmuseum befinden. Empfohlen sei hier dieses Mal ersteres, denn neben der Ausstellung mit dem berühmten Hiddenseer Goldschmuck ist die gotische Architektur des Klosters zu bewundern. Auf der rechten Straßenseite eröffnet sich ein Blick durch die Böttcherstraße auf die Jakobikirche, die heute als Kulturkirche genutzt wird. Links geht es dann in die Straße Bielkenhagen, vorbei am Amtsgericht, wo wir wiederum auf der linken Seite das Kütertor, eines der zwei erhaltenen von ehemals zehn Stadttoren besichtigen. Von hier aus laufen wir die Heilgeiststraße bis zur Ossenreyerstraße hoch, wenden uns dort nach links und bummeln ein kurzes Stück durch diesen Teil der Einkaufsstraße bis zum Rathaus. Es ist ein im Stil der norddeutschen Backsteingotik errichtetes Gebäude, dessen Anfänge aus dem 13. Jahrhundert stammen. Das Gebäude am Alten Markt gilt als einer der bedeutendsten Profanbauten des Ostseeraums und als ein Wahrzeichen der Hansestadt Stralsund. Durch das Seitenportal gelangen wir zu Nikolaikirche, der dritten großen Stralsunder Kirche. Sie wurde im Jahr 1276 erstmals urkundlich erwähnt. Durch das Rathaus treten wir auf den Alten Markt, dem Mittelpunkt der historischen Altstadt, die seit 2002 zum UNESCO-Welterbe gehört. Hier finden sich mit einem Rundumblick 800 Jahre Baugeschichte auf wenigen hundert Quadratmetern. Die Nikolaikirche und das Rathaus mit dem imposanten Schmuckgiebel aus dem 14./15. Jh. im Süden, Giebelhäuser aus dem 16.u. 17.Jh. im Osten, Profanbauten des 19. Jh. im Westen und im Norden das älteste Haus der Stadt aus dem 13. Jh. neben Bauten aus dem 20. Jh.

12.30 Uhr. Zeit fürs Mittagessen, wozu rund um den Alten Mark zahlreiche Gaststätten einladen. So gestärkt verlassen wir den Alten Markt durch die Külpstraße und stoßen an deren Ende auf das Johanniskloster. Es wurde im Jahre 1254 als Franziskanerkloster am Stadtrand, damals noch direkt am Ufer des Strelasundes, errichtet. Architektonisch bildet das Johanniskloster eine Mischung verschiedener Stilepochen, es lassen sich Elemente der Gotik, des Barock sowie des Klassizismus ausmachen. Interessant ist hier der sogenannte Räucherboden. Er bekam diesen Namen, da auf ihm viele kleine abgetrennte Wohnungen eingerichtet wurden, deren Küchenherde ihren Rauch direkt in die Dachbalkenkonstruktion abziehen ließen, was zu deren Konservierung beitrug. Noch bis 1970 wohnten auf dem Räucherboden alte Leute. Verlassen wir das Kloster und wenden uns zweimal nach rechts, stehen wir vor dem zweiten erhaltenen Stadttor, dem Kniepertor. Es wurde erstmals 1293 urkundlich erwähnt. An dem aus Backstein errichteten Tor wurden im 15. Jahrhundert diverse Änderungen am Äußeren des Tores vorgenommen, in dieser Form besteht es bis heute. Am Tor sind noch Halterungen für die Sperrketten zu sehen, mit denen die Straße bei offenem Tor vor anstürmenden Angreifern geschützt werden konnte. Durch das Tor schreitend fällt der Blick auf das Stadttheater, der Neoklassizistische Bau stammt aus dem Jahr 1914. Rechterhand geht es entlang der Stadtmauer nun weiter bis zur Fährstraße. Rechts an der Ecke mit der Hausnummer 17 befindet sich die älteste Kneipe der Stadt. Sie ist zugleich eine der ältesten Kneipen Europas, das heutige Gasthaus „Zur Fähre“ fand im Jahre 1332 erstmals Erwähnung in den Stadtbüchern. Grund genug für eine kurze Rast. Von hier aus überqueren wir geradezu die Fährbrücke und befinden uns nun wieder auf der Hafeninsel.

14.30 Uhr. Neben den großen Speichern fällt sofort der im Hafen liegende Großsegler, die „Gorch Fock I" auf. Die 1933 in Hamburg gebaute Bark kann besichtigt werden. Vom Schiff aus sticht der futuristische Bau des Ozeaneums ins Auge, dessen an geblähte Segel erinnernde Fassade Ihnen sicher schon bei der Anreise am Morgen aufgefallen ist. Das Ozeaneum gehört als Teil des Deutschen Museums für Meereskunde zu den größten Aquarien Europas und auch zu den Besten überhaupt, was erst im Jahr 2010 mit der Verleihung des europäischen Museumsawards gewürdigt wurde. Auf 8700 m⊃2; Ausstellungsfläche in 39 Aquarien mit einer Wassermenge von sechs Millionen Litern werden circa 7000 lebende Tiere und Unterwasserpflanzen in einer den Ozeanen nachempfundenen Umwelt gezeigt. Hier verbringen Sie die nächsten drei Stunden.

18.00 Uhr. Zeit fürs Abendessen. Auf der Hafeninsel und in der näheren Umgebung sind viele Restaurants unterschiedlicher Geschmacksrichtungen zu finden. Von fangfrischem Ostseefisch über Biosteaks bis zu tschechischen Spezialtäten reicht die Palette.

19.30 Uhr. Nach diesem anstrengenden Tag haben Sie sich Entspannung verdient. Deshalb hohlen Sie jetzt Ihr Auto und fahren ans andere Ende der Stadt zum Hansedom, eines der größten und modernsten Spassbäder. In der Seestern-Therme genießen Sie Badespaß in der subtropischen Wasserlandschaft oder entspannen Sie in den luxuriösen Strandkörben. In der orientalischen Saunalandschaft aus 1001er Nacht tauchen Sie ein in eine sinnliche Welt aus Farben, Düften und Klängen.

23.00 Uhr. Ein hoffentlich wunderbarer Tag geht zu Ende. Für diejenigen unter Ihnen, die noch nicht zu müde sind, hier noch ein Schönwetter-Insidertipp: Fahren Sie nochmal zum Hafen, zur Kronlastadie. Auf der Terrasse können Sie bei Fackelschein mit Blick auf den Hafen und die Insel Rügen im Strandkorb sitzen und einen erfrischenden Cocktail genießen.